Wien

Setzt die Segel

 

Karte Nr. 1

 

Heimathafen - Karte Nr.1

Für N

Die Segel gesetzt, die Messer gewetzt
– hier konnte sie keiner mehr halten
Sie hat es begonnen, die Grenzen verletzt
und ließ keinen Stein auf dem alten

Schien andren der Hafen auch sicher und gut
der Anker er wurde gelichtet
Nur feige Matrosen die warn auf der Hut
haben Wasser so tief nie gesichtet

Sie wagte den Sprung ins eiskalte Nass
und tauchte hinab bis zum Boden
An Deck öffneten sie vorab mal ein Fass
gedacht sie käm nie mehr nach oben

Doch die Totgesagten, das weiß man doch lang,
die leben bekanntlich noch länger
Das mussten sie lernen als sie nun begann
zu fangen die eh’mal’gen Fänger

Enttarnt und entblößt – so standen sie da
die alten zahnlosen Dämonen
Sie stellte sich vor sie und schrie da ganz nah:
„Solch Schrecken wird hier nie mehr wohnen!!!“

Durchschnitten hat sie dann schön feinsäuberlich
einem nach dem andren die Kehlen
So mancher der lockte noch mal fürchterlich:
„Willst du dich nicht mit mir versöhnen?!“

Doch falsche Gesänge, die kannt sie schon lang,
damit war sie ja aufgewachsen
Was lange schon vor ihrer Ankunft begann
das warn für sie jetzt nur mehr Faxen

 

Verlockung zum Trotz – auf Kurs blieb ihr Schiff
und manchmal da hört man sie singen:
„Setzt Segel und kommt heraus aus dem Riff,
denn das Morgen wird Freiheit euch bringen!“

MekkaLepschi

Wolken schieben sich dahin. Große, kleine. Dunkelblauschwarze. Dazwischen feine, leichte. Weißlich vorhangfetzennebelgleich.
Sonnengeprassel und Fischgrillgeruch.
Ein Tag am Meer? Oder doch eher Mekka? Zumindest steht das hier auf dem Schild. Rot-weiß-rotes Schild.
Tchibo, Giordani, Tschecheranten.
„An frischn Solot hamma do!“
Melanzani (Auberginen Herr Wolf!), Ziegenkäse und Spinat – die Jagd war erfolgreich, die Beute blitzt aus dem Sackerl.
Die Spracherkennungssoftware kann kein Wienerisch. Ganz zu schweigen von österreichischen Regionalspezialitäten.

Meine Wurzeln liegen auch außerhalb des Landes. Prosím.
…und so an Palawatsch vasteht jo net a jeda!
Morgen geh i auf Lepschi, vastehst?

rundumadum_2

Tag 2 – von den Steinhofgründen bis nach Alt Erlaa

 

wild_in _wien

 

der mit dem einen horn
der der so schnell grunzt
der der liegt und sich sonnt
einer springt
alle lachen
nur so – einfach so
sonnenschein und frischfrischfisch
angel
maul halten sonst raupe drin und wir lachen erst recht
weil nichts hält dich auf auf deinem weg durch diese hirnwindungen voller gekrabbel und getier und
nur so – einfach so
lachen

rundumadum_1

Das Projekt:

Ein Weg rund um Wien, durch den Grüngürtel. Ca 130 km. In einem Stück.

 

Erster Tag: vom Kahlenbergerdorf zur Feuerwache am Steinhof

 

rundumadum wald

 

 

Bäume, Bäume, Bäume
Knoblauchrauke!
Knoflspinat
Dazwischen eine Dörrzwetschke

und weiter geht´s

Bäume, Bäume, Bäume
Leopoldsberg, Herrmannskogel
Cobenzl
Ausblick!

 

Wiens Speckgürtel ist zart durchzogen mit einem saftigen Grüngürtel. Dazu werden Ausblicke gereicht mit einem stellenweise aufdringlichen Aroma wachsender Urbanität. Dezente, manchmal aber auch kräftige Würzungen mit Wildtieren.

what they told me to be something like my home

Wölfe sind Einzelgänger. Haben sie gesagt. Doch der Hirsch kann besser allein überleben, als der Wolf.

Der Bärlauch zeigt erste Spitzen, durchbricht das Laub und scheisst sich gar nix dabei. Einfach so. Fragt nicht.

Ob Hirsche auch Bärlauch fressen? Wölfe können nicht allein sein. Früher haben sie an Hirschen gekaut. Jetzt leben sie in der selben Strasse. Und rufen an. – „Hallo?“

Der Bär und ich schauen auf die Welt runter. Der Wolf ist da drüben. Der Hirsch weiß, daß es eigentlich nicht um ihn geht.

Augarten der Vorahnung

augarten_13.02

Vollmond, Flakturm. Die Krähen im scharenweisen Anflug auf ihr Nachtquartier. Die Bäume tragen noch keine Blätter, doch das Gespür lässt erahnen, daß es nicht mehr lange dauert und schon alles vorbereitet ist. Wartet nur noch auf den Startschuss. Der Augarten zeigt seine Zähne und versucht mich mit düster leerer und doch fast unglaublich bedeutungsschwangerer Stimmung zu verschlingen. Aber so ist das mit dem Erhabenen: Ich glaub drüber zu stehn und seh in all der Tristesse die verborgene, einzigartige Schönheit. So was wie eine Vorahnung , die nur ich allein erkenne.

Der Empfang war herzlich. Der Kaffee gut. Am Tisch ein Neues, noch Jungfreuliches in dezentes Dunkelblau zart gehüllt und eingekuschelt.

Vorfreude, yeah…